Technik

Die Schlechten ins Kröpfchen, die Guten ins Töpfchen: Wie und warum bereinigen Autohersteller ihre Modellpalette?

17. April 2020
Lesezeit: 3 Minuten

In jedem neuen Jahr müssen sich Autokunden von – bisweilen lieb gewonnenen ­– Modellen verabschieden. Als Auto, das nicht mehr produziert wird, zeige ich dir weitere Modelle, die 2019 bzw. 2020 nicht mehr die Straßen dieser Welt erblicken werden. Das hat mehrere Gründe. 

Abgaswerte und -normen machen es uns schwer

Manchmal ändert sich der Geschmack unserer Kundschaft und wir Autos sind prinzipiell so konstruiert, dass wir nicht ohne viel Aufwand angepasst werden können. Momentan sind es vor allen Dingen die Abgaswerte bzw. Abgasnormen, die dazu führen, dass Modellpaletten von Herstellern durchforstet und ausgedünnt werden.

Wir erinnern uns: Dieselskandal und Fahrverbotszonen sind recht junge Ereignisse in der automobilen Welt. Ihre Auswirkungen manifestieren sich mit einiger Verzögerung am Markt.

Bisweilen entsprechen bestimmte Modelle irgendwann nicht mehr dem Kundengeschmack, haben sich so weit davon entfernt, dass selbst mit einem Facelift nichts mehr zu retten ist. Ich persönlich finde das bedauernswert, aber ich bin wahrscheinlich befangen. Sobald die Produktion eingestellt wird verschwinden die Gesichter lieber Freunde allmählich von der Straße.

Gegenwärtig geht der Trend bei den Kundenwünschen immer mehr zu SUV, Crossover und insgesamt dahin, dass Autos bereits rein optisch eindrucksvoll und irgendwie massig bzw. gedrungen wirken.

 

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Auch die Klimadebatte hat einige von uns auf dem Gewissen

Ein weiterer Trendsetter ist die Klimadebatte: Inzwischen sind wir alle hinsichtlich des Klimawandels sensibilisiert worden. Deshalb kommt so mancher alte Freund neu aufgelegt mit Hybridmotor oder sogar rein elektrisch angetrieben dahergerauscht. Hersteller, die sensibel die Kundenwünsche beobachten, reagieren darauf, indem sie Modelle verändern oder deren Produktion ganz einstellen, um das auf den Markt zu werfen, was im Trend liegt.

Für dich als Autokäufer ist es grundsätzlich wichtig zu wissen, welche Modelle noch in der Fertigung sind und welche dagegen nicht mehr hergestellt werden. Bei uns Autos ist es wie beim Porzellan: Was nicht mehr produziert wird, ist preiswerter. Als Preisfuchs solltest du also hier den Überblick behalten.

Wenn uns die Puste ausgeht: Abgasnorm nicht erfüllt

Die Hersteller Mercedes und Chevrolet haben Modelle vom Markt genommen, die sie nicht mehr den gegenwärtigen, inzwischen strengeren Abgasnormen anpassen wollen, weil das angesichts der Ausgangslage mit zu viel technischem Aufwand verbunden wäre. Deshalb gibt es demnächst meine Freunde Chevrolet Corvette- bzw. Chevrolet Camaro-Fahrzeuge nicht mehr als neue Version zu sehen. Ende Mai 2019 wurde aus demselben Grund auch die Produktion des Mercedes SL 63 AMG eingestellt.

Elektrisierend muss es sein!

Mein bester Kumpel, der Jaguar XJ, wird seit Anfang Juli 2019 nicht mehr gefertigt, weil das Modell durch ein rein elektrisch angetriebenes Fahrzeug ersetzt werden soll. Wahrscheinlich wird das neue Fahrzeug, das ab 2020 in den Handel kommt, ebenfalls XJ heißen. Hier geht das Unternehmen Jaguar auf den Kundenwunsch nach rein elektrisch angetriebenen Fahrzeugen in der Oberklasse ein.

Einfach out bedeutet einfach weg

Verkauft sich unsereiner nicht den Erwartungen der Hersteller entsprechend, werden irgendwann die wirtschaftlichen Konsequenzen gezogen. Das hat beispielsweise die Firma Ford in Bezug auf meine Kumpel C-Max und Grand C-Max getan, deren Verkaufszahlen deutlich hinter den Erwartungen des Unternehmens zurückgeblieben sind.

Man wird versuchen, den Kundengeschmack mit anderen Modellen besser zu treffen und dadurch höhere Verkaufszahlen zu erzielen. Effizienzsteigerung ist bei vielen Autoherstellern ein wichtiger Grund, um die Modellpalette zu verschlanken. Da wird mit spitzem Stift und ausgesprochen unsentimental gerechnet.

Aus diesem Grund hat es beispielsweise auch den BMW 3er Gran Tourismo getroffen: Auf der Bilanzpressekonferenz 2019 des Unternehmens wurde verkündet, dass das Modell ebenfalls ausläuft. Außerdem hat das ungewöhnliche Design des Citroën C4 Cactus´ die Erwartungen nicht erfüllt, weshalb er vom Markt verschwinden wird.

Drei sind zwei zu wenig

Immer mehr meiner 3-Türer-Gesellen verschwinden vom Automarkt. Der Kundengeschmack hat sich dahingehend geändert, dass zurzeit eher Fahrzeuge mit fünf Türen gewünscht sind. Deshalb wird der Alfa MiTo demnächst nicht mehr produziert (Schnief!). Die Zulassungszahlen 2019 legten diese Entscheidung nahe, denn in den ersten sieben Monaten des Jahres wurden lediglich 213 Fahrzeuge des MiTo in Deutschland neu zugelassen.

Modellwechsel ohne Nachfolger

Eine vergleichsweise elegante Methode, den Bau eines Automodells einzustellen, ist die, beim Modellwechsel schlichtweg keinen Nachfolger auf den Markt zu werfen. So erging es dem Mercedes CLS Shooting Brake. In der 6er Reihe von BMW verschwand ein Modell, weil ein neuer 8er auf den Markt kommt: Das BMW 6er Coupé kannst du demnächst nur noch aus zweiter Hand kaufen.

Niemand muss sich schämen: Es trifft viele!

Volvos Kompaktwagen V40 wird seit 2019 nicht mehr gebaut, ja, es hat sogar den Käfer-Nachfolger Beetle getroffen, dessen Absatzzahlen zuletzt deutlich einbrachen. Das 4c Coupé von Alfa Romeo gibt es demnächst ebenso nur noch als Gebrauchten wie den elektrisch angetriebenen Zwerg von Mitsubishi unter der Bezeichnung i-MiEV. Opel nimmt mit Cascada, Karl und Adam gleich drei Modelle aus der Produktion. Dasselbe Schicksal ereilte Fiat Punto, Seat Toledo, BMW i3 und viele weitere Modelle. Aber das scheint, so wie es einst bei mir war, der Lauf des Lebens zu sein …