Sonntag, der 21. April 2019
Ratgeber

Gebrauchtwagen: Kilometer oder Baujahr? Was ist wichtiger beim Gebrauchtwagenkauf?

07. März 2019
Lesezeit: 3 Minuten

Schönen guten Tag, ich bin ein Gebrauchtwagen. Und als solcher eine echte Sparidee. Du weißt ja: In den ersten drei bis vier Jahren verliert ein Neuwagen je nach Marke und Modell gut die Hälfte seines Wertes. Wenn du sparen willst, bin ich also eine prima Idee, zumal ich mit drei bzw. vier Jahren noch nicht wirklich alt bin – dafür aber deutlich günstiger.

Eine Frage beschäftigt dich sicher: Worauf solltest du eher achten – auf Kilometerstand oder Baujahr? Was ist wichtiger beim Gebrauchtwagenkauf? Eben das will ich dir erklären.

Gebrauchtwagenkauf: Laufleistung oder Alter?

Stelle dir folgende Situation vor: Du hast die Wahl zwischen einem drei Jahre alten Gebrauchten mit 120.000 km oder einem sechs alten Wagen mit nur 50.000 km? Was geht vor? Laufleistung? Alter? Eine gewisse Krux enthalten zugegeben beide Optionen. Als Gebrauchter mit hoher Laufleistung – also mit vielen Kilometern auf der „Uhr“ – neige ich zu einem hohen Verschleiß. Sicher, vieles kannst du reparieren. Bremsen, Reifen oder neue Lampen kosten nicht die Welt. Mitunter kann es aber schon teuer werden: Ein neuer Auspuff samt Kat ist beispielsweise nicht billig und ein neues Getriebe noch weniger.

Auf der anderen Seite bin ich aber auch als „alterGebrauchter mit wenig Kilometern nicht frei von Fehlern. Eventuell habe ich mich sprichwörtlich „kaputt gestanden“ oder mein erster Halter ist mich nur auf Kurzstrecken gefahren. Du weißt, für Motoren sind kurze Wege nicht besonders vorteilhaft. Da droht eine sogenannte „Verstopfung“ und somit ein teurer Schaden. Was also ist die richtige Entscheidung?

DEKRA: Warum Laufleistung wichtiger ist

Die Antwort liefert die DEKRA: Laufleistung schlägt Fahrzeugalter. Die Prüforganisation beruft sich hierbei auf eigene Daten von 15 (!) Millionen Hauptuntersuchungen in zwei Jahren. Die Erkenntnis der DEKRA: Die Laufleistung ist für Mängel entscheidender als das Baujahr. Heißt: Je mehr Kilometer ich auf dem Tacho habe, desto anfälliger bin ich. Ein mehr oder weniger hohes Alter ist dagegen weniger schlimm.

Die DEKRA untermauert ihre Aussage natürlich mit Zahlen. Hierzu unterteilt die DEKRA die Fahrzeuge in vier Laufleistungen. Und zwar bis 50.000 km, 50.001 bis 100.000 km, 100.001 bis 150.000 km und (seit 2018) auch 151.001 bis 200.000 km. Mängel sind vor allem bei typischer Nutzung berücksichtigt worden – also zum Beispiel Ölverlust oder ausgeschlagene Spurstangenlager. Mangelnde Wartung wie abgefahrene Reifen oder abgenutzte Scheibenwischerblätter bleiben dagegen außen vor.

Gebrauchtwagenkauf: Warum Alter nicht so wichtig ist

Entsprechend berücksichtigt die DEKRA allein Verschleiß durch Gebrauch. Warum, fragst du? Weil diese Abnutzung eben deutlich höher und somit entscheidender ist. Nur vom „Herumstehen“ bekomme ich keine ausgeschlagenen Lager. Gut, gewisse Dichtungen können mit dem Alter schon versagen. Die Gefahr, dass solche Mängel aber beim Gebrauch – also beim tatsächlichen Fahren – entstehen, ist letzten Endes deutlich höher, zumal viele Mängel wie ausgeschlagene Lager nur durch Fahren und der entsprechenden Abnutzung entstehen.

Das Fazit ist damit eindeutig: Willst du mich kaufen, achte besser auf meinen Tacho- bzw. Kilometerstand statt auf mein Alter, weil Mängel vor allem durch den Gebrauch auftreten. Wohlgemerkt reden wir hier von den wirklich bösen Mängeln. Ob die Blätter der Scheibenwischer verschlissen oder die Reifen abgefahren sind, kann dir beim Kauf egal sein. Weil diese Mängel keine gravierenden Fehler und in der Regel günstig zu beheben sind. Ein neuer Satz Reifen kostet dich 300 Euro, wenn du dir ein Markenprodukt gönnst. Eine defekte Motordichtung zu reparieren, dauert wiederum acht Stunden. Bei neuen, modernen Autos sogar zehn bis zwölf Stunden. Kein Wunder also, dass da schnell ein Tausender auf der Rechnung steht.

Gebrauchtwagenkauf: Warum sich Premiummodelle lohnen

Apropos: Im 2018er Gebrauchtwagenreport der DEKRA konnte besonders der Audi A6 glänzen. Mit einem DEKRA Mängelindex (DMI) von 94,6 war der A6 Baujahr 2011 sogar „Bester aller Klassen“. Wer sonst noch top in Schuss ist? Schaue dir das Ranking der DEKRA samt Baujahr an, in Klammern der jeweilige DMI:

• Kleinwagen: Audi A1 2010 (82,6)
• Kompaktklasse: Audi A3 2012 (91,0)
• Mittelklasse: Audi A4 2008 (87,7)
• Obere Mittelklasse / Oberklasse: Audi A6 2011 (94,6)
• Sportwagen & Cabrio: Audi TT 2006 (81,0)
• Geländewagen & SUV: Mercedes M-Klasse / GLE 2011 (92,4)
• Van: Mercedes B-Klasse 2011 (91,4)
• Kleintransporter: VW Amarok 2010 (71,0)
• Transporter: Mercedes Sprinter 2006 (62,5)

Fällt dir etwas auf? Korrekt: Die Sieger gehören allen Altersklassen an. Der TT als Sieger bei den Sportwagen ist sogar stolze zwölf Jahre alt. Davon abgesehen liegen Premiumautos vorn.