Ratgeber

Winterreifen vs. Allwetterreifen

02. November 2020
Lesezeit: 3 Minuten

Ich als Auto wechsle ja gerne hin und wieder die Schuhe, aber andererseits muss ich zugeben, dass für meinen Besitzer der Reifenwechsel irgendwie lästig ist. Termin machen, Werkstatt aufsuchen, auf mich warten müssen. Das macht niemandem wirklich Spaß,  kostet Zeit und Geld. Deshalb finde ich es wirklich verständlich, dass sich immer mehr Autobesitzer diesen Reifenwechsel zwei Mal im Jahr sparen wollen, indem sie Allwetterreifen aufziehen lassen.

Genügen eigentlich Allwetterreifen der Winterreifenpflicht?

Inzwischen sind in Deutschland Winterreifen vorgeschrieben, aber nicht in einem festen Zeitraum: Man spricht in diesem Zusammenhang von einer „situativen Winterreifenpflicht“. Konkret bedeutet das für den Autofahrer, dass er eine Strafe zahlen muss, wenn er bei Schneeglätte, Glatteis, Schneematsch, Eisglätte und Reifglätte ohne eine entsprechende Bereifung angetroffen wird.

Mit Ganzjahresreifen ist ein Autobesitzer im Falle einer Kontrolle erst dann aus dem Schneider, wenn der von ihm gewählte Reifen ein M+S-Symbol und eine Schneeflocke aufweist. Beide zusammen belegen, dass der Ganzjahresreifen einen Winterreifen ersetzen kann und darf.

Was für den Allwetterreifen spricht

In den Allwetterreifen werden die Eigenschaften von Sommer- und Winterreifen kombiniert. Dabei ist der Anteil an Attributen für Winterreifen etwas stärker in den Allwetterreifen vertreten. Noch bis vor wenigen Jahren musste man leider sagen, dass es sich bei Allwetterreifen um eine eher minderwertige Bereifung handelte, was ihre Fahreigenschaften bei Kälte und im Winter anging. Aber sie haben deutlich aufgeholt und stellen inzwischen eine echte Alternative zum Winterreifen dar. Veränderte Gummimischungen und Profilmuster haben diesen Fortschritt ermöglicht.

Da ich als Auto ungern ins Rutschen komme, finde ich die Allwetterreifen prima. Ich habe sie halt das ganze Jahr an den Füßen. Da ist es vollkommen egal, ob im Frühjahr ein später Wintereinbruch erfolgt oder ob das erste Glatteis vollkommen überraschend bereits im September auftritt – mit ihnen bin zu jedem Zeitpunkt gerüstet. Genau das ist ein wirklich nicht zu unterschätzender Vorteil der Allwetterreifen.

Was für den Winterreifen spricht

Wenn das Wetter auf den Straßen wirklich übel wird, also bei Glatteis, Schneefall oder Schneematsch, bin ich mit einem Winterreifen sicherer unterwegs als mit einem Allwetterreifen. Das muss man unumwunden so feststellen.

Eine wichtige Voraussetzung für einen optimalen Grip mit dem Winterreifen ist seine Profiltiefe: Gesetzlich vorgeschrieben sind 1,6 Millimeter, der ADAC empfiehlt dagegen 4 Millimeter. Bevor die Winterreifen aufgezogen werden, also bitte noch einmal kritisch nachmessen!

Die Faustregel für das Aufziehen von Winterreifen lautet von O bis O, also von Oktober bis Ostern. Bleibt zu hoffen, dass Ostern im fraglichen Jahr so fällt, dass das schlechte Wetter nicht nach Ostern noch einmal zuschlägt.

Die knifflige Sache mit der Versicherung

Es ist allgemein bekannt, dass Versicherungen ungern zahlen. Solltest Du bei Winterwetter einen Unfall haben, wird sich die Versicherung garantiert dafür interessieren, auf welchen Reifen Du unterwegs warst. Es ist möglich, dass die Versicherung nicht in vollem Umfang zahlt, wenn sie zu dem Schluss kommt, dass Du nicht die richtigen Reifen gefahren bist. Dieser Grund spricht dafür, das ganze Jahr auf Allwetterreifen unterwegs zu sein – und zu bleiben. Dann ist es auch im Versicherungsfall vollkommen egal, wann das Wetter merkwürdige Kapriolen schlägt. Diesen Sachverhalt solltest Du unbedingt bedenken, wenn Du Dich für einen Reifentyp entscheidest.

Das Wetter wird wechselhafter

Es wird immer schwieriger, vorauszusagen, wie sich das Wetter langfristig in einer Saison entwickelt. Stichwort: Klimawandel.

Winterreifen haben einen schlechteren Grip als Ganzjahresreifen beziehungsweise Allwetterreifen, wenn die Temperaturen in der angeblich kalten Jahreszeit deutlich steigen. Ab etwa 7 Grad Celsius und bei den darüberliegenden Temperaturen verändern sich ihre Hafteigenschaften ins Negative. Wetterlagen, in denen Temperaturen von über 10 Grad auch in der Winterzeit auftreten, sind inzwischen gar nicht mehr so selten. In dem Fall ist der Winterreifen nicht von Vorteil – nein, er stellt sogar ein gewisses Sicherheitsrisiko dar und ist außerdem verantwortlich für einen etwas höheren Kraftstoffverbrauch gegenüber einem Allwetterreifen oder einem Sommerreifen. In warmen Wintern ist auf jeden Fall der Allwetterreifen zu empfehlen. Aber wer kann schon eine langfristige Wetterprognose abgeben?

Wann und wo Du auf den Winterreifen setzen solltest und wann und wo nicht

Dein Wohnort beziehungsweise die Strecken, auf denen Du unterwegs bist, haben viel mit deiner Entscheidung für einen Allwetterreifen oder einen Winterreifen zu tun. Wohnst Du beispielsweise im Hochsauerland und befinden sich auf deinen gewohnheitsmäßig befahrenen Strecken Steigungen und kurvige Streckenabschnitte, solltest Du sicher mindestens von Oktober bis Ostern auf Winterreifen setzen. Die Wahrscheinlichkeit, ab einer gewissen Höhe über dem Meeresspiegel in Schneewetter oder auf eisglatte Fahrbahn zu geraten, ist sehr groß.

Bist Du dagegen in einer Umgebung zu Hause, die für ihre milden Winter bekannt ist und wenig oder gar keine Steigungen bzw. kurvige Streckenabschnitte enthält, kannst Du guten Gewissens auf einen Allwetterreifen setzen. Dessen Eigenschaften genügen den Umwelteinflüssen, denen Du in klimatisch begünstigten Gebieten ausgesetzt bist.