Ratgeber

Was mache ich, wenn ich einen Unfall sehe?

02. April 2020
Lesezeit: 4 Minuten

Was musst du tun, wenn es kracht? Keine Sorge, ich – dein Begleiter auf vier Reifen – bin ein erfahrener Beobachter, wenn es um Unfälle geht. Was viele nicht wissen: Auch, wenn du den Unfall nicht selbst verursacht hast, bist du unbedingt verpflichtet zu helfen, sobald du als erster an eine Unfallstelle gelangst. Solltest du dich einfach vom Acker machen und Menschen dort hilflos zurücklassen, gilt das als unterlassene Hilfeleistung. Das ist ein Straftatbestand, für den du dich vor Gericht verantworten musst, wenn jemand beobachtet, wie du dich einfach von der Unfallstelle entfernst. 

Aber denk bitte nicht in juristischen Kategorien. Stelle dir einfach vor, wir zwei sind in einen Unfall verwickelt und selbst nicht mehr in der Lage zu regeln, was zu regeln ist. Insbesondere, wenn meine Schutzvorkehrungen nicht ausgereicht haben und du gar verletzt bist, wirst du heilfroh sein, wenn jemand den Anstand besitzt, abzubremsen und sich deiner anzunehmen. Wenn du also eine Unfallstelle siehst und sich keine Helfer in der Nähe befinden: Anhalten! Unbedingt.

Keine Panik – denk an die drei W´s!

Als junges Kfz musste ich bereits die drei W’s lernen. Dieses Wissen gebe ich nun gerne an dich weiter: Wenn du an eine Unfallstelle kommst, musst du folgende Dinge beachten: Schalte deine Warnblinkanlage an, zieh deine Warnweste über, und zwar bevor du den Wagen verlässt und stelle dann ein Warndreieck auf, wenn es noch niemand anderes getan hat. Das Absichern der Unfallstelle ist für deine eigene Sicherheit als Helfer extrem wichtig – stell also bitte das Warndreieck etwa 50 oder 100 m, je nach den Gegebenheiten vor Ort, entfernt vom Unfallort auf. Du möchtest schließlich nicht selber zu einem Unfallopfer werden, weil andere Fahrzeuge ungebremst in die Unfallstelle hineinfahren.

 

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Was du angesichts von verletzten Personen tun musst

Nachdem du die Unfallstelle vorschriftsmäßig gesichert hast, überzeugst du dich bitte anschließend sofort davon, wie es den Personen geht, die tatsächlich in den Unfall involviert sind. Sind Sie ansprechbar? Blutet jemand? Wie stark? Steht jemand unter Schock? Mach dir ein genaues Bild von der Lage und bleib ruhig. 

Versuche, dich an deinen Erste-Hilfe-Kurs zu erinnern. Weißt du noch? Wenn Personen nicht bei Bewusstsein sind, musst du überprüfen, ob sie atmen. Wenn die Atmung normal wirkt, versuche, verletzte Personen in die stabile Seitenlage zu bringen, wenn nötig. Atmet eine Person gar nicht oder atmet sie nicht normal, rufe sofort den Rettungsdienst an und leite Wiederbelebungsmaßnahmen ein. Keine Panik, nichts zu tun ist schlimmer, als eine fehlerhafte Herzdruckmassage oder Mund-zu-Mund-Beatmung durchzuführen: 30 mal fest auf die Brust der Person drücken, dann Nase zuhalten, deine Luftreserven in den Mund des Patienten blasen und den Vorgang wiederholen, bis der Notarzt eintrifft.

Blutet eine der am Unfall beteiligten Personen stark, zieh deine Latexhandschuhe aus dem Erste-Hilfe-Kasten über und lege ggf. einen Druckverband an. Manchmal kann es vorkommen, dass Personen unter Schock mehr oder weniger orientierungslos an der Unfallstelle umherirren. Wenn möglich, versuche, sie dazu zu bewegen, sich ruhig zu verhalten und hinter die Leitplanke zurückzuziehen. Sind Personen in Fahrzeugen eingeklemmt, ist es meistens sinnvoll zu warten, bis der Rettungsdienst eintrifft. Der hat Erfahrung damit, Menschen aus Fahrzeugen zu befreien. 

Kleiner Tipp an alle Raucher: Auf keinen Fall solltest du zur Beruhigung zu einer Zigarette am Unfallort greifen. Da können natürlich immer brennbare Flüssigkeiten auslaufen und eine Zigarette erhöht die Brandgefahr beträchtlich.

Wie du eine brauchbare Meldung für Polizei und Rettungsdienste absetzt

Du möchtest dringend deine Meldung absetzen, aber du hast kein Netz? Das kann natürlich vorkommen. In einem Tunnel, angesichts von Lärmschutz-Bauwerken oder auf dem platten Land mag der Empfang eingeschränkt sein. Achte darauf, ob es Notrufsäulen gibt, die du ggf. nutzen kannst. Falls nicht, versuche, einen weiteren Verkehrsteilnehmer anzuhalten und bitte ihn, die Rettungsdienst zu verständigen, sobald das möglich ist.

Es nützt nichts, wenn du völlig panisch 112 für den Rettungsdienst oder 110 für die nächste Polizeidienststelle wählst. Einmal durchatmen, und dann auch hier drei W´s abarbeiten: Wer meldet sich? Du nennst deinen Namen. Wo liegt die Unfallstelle? Du gibst möglichst genau den Unfallort an oder lässt dein Handy orten. Was ist passiert? Die genauen Angaben, wie viele Personen oder Fahrzeuge am Unfall beteiligt sind und wer möglicherweise wie schwer verletzt ist, hilft den Rettungsdiensten. Beispielsweise ist es für die Retter wichtig zu wissen, ob es am Unfallort brennt oder ob Personen eingeklemmt sind.

Wenn du den Verdacht hast, dass Alkohol oder Drogen bei dem Unfall im Spiel waren, solltest du das der Polizei auf jeden Fall mitteilen. Auch wenn sich ein Unfallgegner am Unfallort auffällig aggressiv verhält, kann das bereits in deiner ersten Meldung an die Polizei kommuniziert werden.

Rückzieher machen wird ungern gesehen!

Es ist schon vorgekommen, dass besonders schlaue Ersthelfer den Unfallort gesichert, dann einen Verband angelegt und sich anschließend von der Unfallstelle entfernt haben. Wenn du einmal begonnen hast, dich mit einem Unfall auseinanderzusetzen, bleibe unbedingt vor Ort, bis Rettungskräfte und Polizei eintreffen. Möglicherweise wirst du auch von der Polizei als Zeuge gehört, wenn du als Erster an den Unfallort gekommen bist. Ich sage es nur ungern, aber als dein Auto bin ich bei einem Unfall lange nicht so wichtig, wie Personen, die in den Unfall verwickelt sind. Kümmere dich also immer zuerst um sie, danach bleibt genügend Zeit sich um meine Reparatur kümmern.