Ratgeber

Eine Schramme? Kratzt mich nicht!

25. März 2020
Lesezeit: 3 Minuten

Jetzt stell dich nicht so an und heule nicht gleich los, wenn ich einen Kratzer habe! Das kann jedem einmal passieren. Gut, letzthin bin ich ein bisschen dicht an der Hecke entlang geschrammt, dann kam dieser Einkaufswagen aus dem Nichts auf mich zu und die Bremsen an Kinderfahrrädern hinterlassen halt auch ihre Spuren. Stell deine Schnappatmung ab: Ich erkläre dir jetzt einmal Schritt für Schritt, wie du diese kleinen Schönheitsfehler, die eigentlich gar nicht so schlimm sind, wieder loswerden kannst.

Make-up oder Schönheits-OP?

Eine Schönheits-OP machst du auch nicht zu Hause. Wenn es richtig in die Tiefe geht und du von Grund auf ausbessern oder aufbessern willst, gehst du zum Fachmann. Das machst du bitte mit mir unbedingt auch so. Ich will schließlich nicht an Wert verlieren, weil du keinen Bock auf Profiarbeit hast!

Bei wirklich tiefen Kratzern, die sämtliche Lackschichten abgetragen haben und bis aufs Blech gehen, helfen kosmetische Reparaturen im DIY-Verfahren nicht mehr. Das muss dir klar sein. In so einem Fall gehst du bitte los und holst dir den Rat von Fachleuten ein. Da kannst du dir einen Kostenvoranschlag machen lassen. Es muss ja nicht gleich eine Lackierung ganzer Teile sein oder das Spritzen meiner kompletten Motorhaube – obwohl, wenn ich darüber nachdenke …

Keine Angst, ich zicke jetzt nicht rum. Inzwischen gibt es auch für kleinere Reparaturflächen Verfahren, die man als Smart-Repair bezeichnet und die deinen Geldbeutel deutlich weniger beanspruchen, als wenn du einen ganzen Kotflügel neu lackieren lassen müsstest. Also tapfer sein: Schau dir bitte meine Verletzung noch einmal ganz genau an. Ist da nur ein oberflächlicher Kratzer oder benötigst du die Hilfe eines Fachmannes, um den Schaden zu beseitigen?

Oberflächliche Lackreparaturen sind wie Kosmetik

Wenn mein Lack nicht bis in die Tiefe hinein beschädigt ist, dann trägst du durch Schleif- bzw. Polierprozesse ein bisschen davon ab, bis du zu unverletzten Schichten vorstößt und glättest so das Gesamtbild. Am Ende kann vielleicht der Spezialist noch sehen, dass du mich aufpoliert hast, dem Laien entgeht das.

Wie bei der Kosmetik hast du für die Oberflächenbehandlung die Wahl zwischen unterschiedlich teuren Mittelchen, um mich aufzupolieren. Im Notfall und wenn du gar nichts anderes im Haus hast, kannst du sogar Zahnpasta (mit ihren winzigen Schleifpartikeln darin) erfolgversprechend verwenden, um kleine Kratzer diskret verschwinden zu lassen. Wenn du etwas mehr investieren willst, kauf eine vernünftige Autopolitur, vielleicht sogar eine, deren Farbe meiner Fahrzeug- und Lackfarbe entspricht.

Bereite mich bitte auf den Besuch im Schönheitssalon vor!

Vor der Politur musst du auf jeden Fall mein Äußeres gründlich reinigen. Du beginnst am besten mit einem Autoshampoo oder einer vernünftigen Autowäsche. Danach solltest du versuchen, meine Kratzer mit etwas Watte und Reinigungsbenzin gründlich zu säubern. Warum das nötig ist? Du hättest es auch nicht gerne, wenn beim Polieren deines Gesichtes kleine Schmutzpartikel mit großer Schleifwirkung am Werk wären. Deshalb ist es nötig, solche Schmutzteilchen vor der Politur von meinem Lack zu entfernen. Das Waschbenzin entfettet anschließend meine Oberfläche optimal, sodass eine Politur ihre größtmögliche Wirkung entfalten kann.

Wenn ich dir wirklich etwas wert bin, verwendest du ein sauberes und weiches Tuch, um mich nach der Reinigung mit Benzin komplett trocken zu reiben. Dann wird poliert und die Politur zum Schluss komplett mit dem weichen Tuch entfernt. Wenn du mit dem Ergebnis nach der ersten Runde nicht zufrieden bist, bin ich es wahrscheinlich auch nicht: Also noch mal!

… und wenn es doch etwas größere Korrekturen sein müssen?

Du kannst verschiedene Reparatursets für bzw. gegen Lackschäden besorgen: Baumarkt, Autowerkstatt, Internet. Oder frag deinen Nachbarn mit der zerkratzten Schrottkarre, der die immer in der Einfahrt aufpoliert. Der leiht dir bestimmt etwas. Die Sets zur Ausbesserung von Lackschäden mit ihren aufeinander abgestimmten Komponenten erzielen bessere Ergebnisse als irgendwelche Hausmittelchen sowie ein Lappen hier und eine Politur dort.

Wenn auch das nicht ausreicht, ist immer noch ein Lackstift eine ganz gute Methode, schlimmere Kratzer aus meiner Oberfläche zu entfernen. Manche Autohersteller verkaufen diese „Korrekturstifte“ spezifisch zu den von ihnen vertriebenen Lackfarben. Du hast also keine Entschuldigung, wenn du die richtige Farbe angeblich nicht finden kannst: Es gibt sie. Garantiert.

Auf den Lackstiften ist genau beschrieben, wie du sie anwenden musst. Ein wichtiger Parameter ist dabei die Verarbeitungstemperatur. Die meisten Lacke benötigen mehr als 15 °C, damit sie ihre physikalisch-technischen Eigenschaften voll entfalten. Wenn du sie aufträgst und es ist zu kalt, kann die Lackoberfläche uneben werden. Nur damit das klar ist: Ich möchte mit so etwas nicht mitten im Gesicht herumlaufen! Also lies ausnahmsweise mal das Kleingedruckte und noch wichtiger: Halte dich bitte daran. Und vielleicht testest du den Lackstift an einer diskreten Stelle, bevor du ihn mitten auf der Heckklappe benutzt.