Ratgeber

Was mache ich, wenn ich in einen Unfall verwickelt bin?

13. März 2020
Lesezeit: 3 Minuten

Hey Kumpel, ich bin’s dein Auto. Ich möchte einmal über ein Szenario mit dir sprechen, das ich sonst gerne vermeide: einen Unfall. Wenn wir einmal in einen Autounfall verwickelt sind oder sogar einen verursachen, wirst du zunächst mehr oder weniger unter Schock stehen. Gehen wir einmal davon aus, dass du nicht schwer verletzt und noch handlungsfähig bist: Weißt du eigentlich genau, was du nach einem Unfall unbedingt tun solltest? Ich bin da nämlich trotz Schnickschnack nicht so eine gute Hilfe…

Deine To-do-Liste nach einem Unfall 

Punkt eins: Unbedingt die Unfallstelle sichern! Was du ganz bestimmt leisten kannst, ist meinen Warnblinker einzuschalten. Bevor du mich verlässt, zieh deine Warnweste an. Stelle ein Warndreieck auf. Du hast keine? Sieh nochmal nach, denn du musst in mir eine verstaut haben, das gehört zur vorgeschriebenen Grundausstattung! Der optimale Abstand des Warndreiecks zur Unfallstelle liegt zwischen 50 und 100 m – abhängig davon, wie die jeweiligen Gegebenheiten vor Ort sind.  

So nun Punkt 2: Du musst dich davon überzeugen, ob niemand der Unfallbeteiligten deine Hilfe braucht. Also leiste die Erste Hilfe, wenn nötig. Das ist wichtiger als alles andere, was rund um eine Unfallstelle und ein Unfallereignis zu beachten ist! Wenn du schon nicht aus Anstand aktiv wirst, dann weil ich dir hiermit sage, dass unterlassene Hilfeleistung strafrechtlich verfolgt wird. 

 

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Alle versorgt? Gut, dann Punkt 3: Dokumentiere das Unfallereignis. Du solltest Beweise sammeln: Fertige mit deinem Handy Fotos von der Unfallstelle an. Schau genau, ob ich Schäden aufweise. Ganz wichtig ist es, dass du sehr schnell reagierst, wenn es darum geht, Zeugen zu finden: Schaut jemand aufmerksam in deine Richtung? Steht irgendjemand in einem nahen Gebäude am Fenster und hat beobachtet, was passiert ist? Hingehen, Kontakt aufnehmen, Personalien notieren sowie ggf. die Aussage.

Wenn du einen Unfallgegner hast, dann solltest du unbedingt als Nächstes sein Nummernschild notieren und seine Personalien aufnehmen. Ein Bogen mit einem vorformulierten Unfallbericht gehört dringend in mein Handschuhfach; den bekommt man bei Automobilklubs oder kann ihn sich prophylaktisch aus dem Internet herunterladen. Auch wenn wir beide hoffen, dass du diesen Bogen nie brauchen wirst, solltest du ihn dabeihaben. Am besten ist es, diesen Bogen hinsichtlich des Unfallherganges gemeinsam mit dem Unfallgegner auszufüllen.

Polizei oder nicht?

Falls wir eine Kollision mit einem stehenden Fahrzeug oder fremdem Eigentum hatten, genügt es nicht, einen Zettel zu hinterlassen. Denn auch wenn du dich unter Hinterlassung deiner Personalien vom Unfallort entfernst, wird das juristisch als Fahrerflucht gewertet. Das ist ein Straftatbestand. Also ruf unbedingt die Polizei, wenn kein Unfallgegner auszumachen ist

Ob du die Polizei immer rufen musst? Nein, denn wenn alle Unfallbeteiligten vor Ort damit einverstanden sind, auf einen Anruf bei der Polizei zu verzichten, kannst du dir diesen sparen. Sind jedoch Menschen (und sei es auch nur geringfügig) bei dem Unfall zu Schaden gekommen, empfehle ich dir dringend, die Polizei zu rufen! Sie kann das Unfallgeschehen unparteiisch dokumentieren und diese Dokumentation steht dir in einem späteren Rechtsstreit zur Verfügung. Es hält sich zwar hartnäckig das Gerücht, dass ein Polizeieinsatz etwas kostet, aber da musst du dir keine Sorgen machen. Von meinem Kumpel dem Polizeiwagen weiß ich, dass du den Einsatz in keinem Fall bezahlen musst.

Wer räumt nach dem Unfall auf?

Angesichts meiner vielen herumliegenden Unfalltrümmer, sollte man meinen, es wäre selbstverständlich, dass irgendwann die Straßenreinigung für Unfallrückstände zuständig ist. Weit gefehlt! Dafür, dass keine Scherben und keine anderen Trümmerteile auf der Straße zurückbleiben, sind die Unfallbeteiligten selbst verantwortlich. Nimm bitte im Interesse aller Radfahrer, die ohne einen Platten ans Ziel wollen, diese Pflicht ernst. Größere Trümmerteile können auch weitere Unfälle verursachen, indem sie Fahrzeuge beschädigen oder zu rasanten Ausweichmanöver zwingen. In dem Fall wärst du möglicherweise der Verursacher eines weiteren Unfalls.

Der Weg zur Werkstatt

Wenn ich nach einem Unfall nicht mehr verkehrssicher oder fahrtüchtig bin, kann ich auf Kosten deines Unfallgegners abgeschleppt werden, wenn die Schuldfrage klar ist. Allerdings bekommst du auf diese Art keinen Freifahrtschein: Das kostenlose Abschleppen darf mich nur bis zur nächstgelegenen Werkstatt bringen und nicht quer durch die Republik. Solltest du nicht die nächstgelegene Werkstatt anfahren lassen, musst du selbst für einen weiteren Transport bezahlen.

…und danach?

Die Versicherung deines Unfallgegners ist dein Ansprechpartner, wenn er allein Schuld am Unfallgeschehen trägt. Müssen wir uns jedoch eine Teilschuld eingestehen, musst du auch deine eigene Haftpflichtversicherung informieren. Deine Versicherung und die deines Unfallgegners klären dann untereinander, wer zu welchen Teilen für Schäden aufkommen muss.

Wenn du auf mich eine Vollkaskoversicherung abgeschlossen hast, trägt sie zu 100 % die Kosten, die dir durch einen Unfall entstehen. Bevor du allerdings deine Vollkaskoversicherung einspringen lässt, solltest du dir gut überlegen, wie sich das Schadensereignis auf deine Einstufungen bei der Versicherung auswirkt. Bei Bagatellschäden ist es wahrscheinlich in wirtschaftlicher Hinsicht klüger, deren Regulierung aus eigener Tasche zu bezahlen. Es ist sinnvoll, einen Anwalt einzuschalten, wenn der Unfallgegner Schuld trägt: Dann muss die gegnerische Haftpflichtversicherung einen Teil deiner Selbstbeteiligung bzw. die ggf. mit einer Rückstufung verbundenen Kosten übernehmen.