Sonntag, der 21. Juli 2019
Ratgeber

Tempolimit auf der Autobahn – Wirklich sinnvoll?

29. Januar 2019
Lesezeit: 3 Minuten

Tag auch, ich bin das Tempolimit auf der Autobahn. Für viele Autofahrer mag ich so etwas wie ein Damoklesschwert sein. Dabei will ich eigentlich niemanden schikanieren. Im Gegenteil: Ich habe durchaus meine gute Seiten. In vielen EU-Ländern bin ich daher längst Vorschrift. Deutschland ist hingegen eines der wenigen Länder, wo ich noch nicht das „Gesetz der Straße“ bin. Möglich aber, dass sich das bald ändert.

Denn aktuell brandet mal wieder eine Diskussion um mich auf. Soll man mich auch auf deutschen Autobahnen vorschreiben oder nicht? Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und die Grünen sagen ja. Mit mir würde es weniger Emissionen geben. Stichwort Klimaschutz. Meine Gegner wiederum argumentieren, dass ich reine Symbolpolitik bin. Das finde ich schon etwas beleidigend. Daher möchte ich mich hier einmal selbst erklären.

Tempolimit: Was sind meine Vorteile?

Du hast sicher nichts dagegen, wenn ich mit meinen Pluspunkten anfange? Danke. Meine Vorteile sind vor allem:

  • mehr Sicherheit,
  • weniger Stress,
  • weniger Emissionen,
  • Geldersparnis.

Alle Punkte sind sicher einleuchtend. Das Mehr an Sicherheit ist schnell erklärt. Rast du mit 200 km/h über die Autobahn, ist die Gefahr eines Unfalls viel größer als bei 130 km/h. Du brauchst gar nicht den Kopf schütteln. Die Erklärung liefert die Physik. Wenn vor dir plötzlich jemand ausschert oder du ein Hindernis entdeckst, hast du bei 130 km/h ganz klar mehr Zeit zu reagieren als bei 200 km/h. Gut, die reine Reaktionszeit ist die gleiche. Aber: Bei 200 km/h legst du in der gleichen Zeit doch einige Meter mehr zurück als bei 130 km/h. Die Chance, einen Unfall zu verhindern, ist bei weniger Geschwindigkeit also größer. Fakt ist: 2017 gab es auf deutschen Autobahnen rund 21.000 Unfälle. Laut dem Statistischen Bundesamt starben dabei mehr als 400 Menschen. Häufigste Ursache dieser Unfälle: zu schnelles Fahren. Ergo: Mit mir wäre das nicht passiert.

Zumal ich einen schönen Nebeneffekt biete: weniger Stress. Weil du langsamer unterwegs bist. Alle anderen Autofahrer natürlich ebenso. Daher produziert dein Körper weniger Adrenalin, was deinen Stresslevel senkt. Ich bin also gut für deine Gesundheit – und zwar im doppelten Sinne. Erstens weil ich deine Sicherheit erhöhe, zweitens weil weniger Stress besser für dein Herz ist. Mehr noch: ich schone deinen Geldbeutel. Wenn du rast wie Vettel und Hamilton in Hockenheim, steigt natürlich der Verbrauch deines Fahrzeugs. Hast du deinen Gasfuß jedoch unter Kontrolle, sparst du Sprit. Und damit Geld. Davon abgesehen heißt weniger Verbrauch weniger CO2. Womit wir beim Klimaschutz sind.

Tempolimit: Was spricht gegen mich?

Auf der anderen Seite will ich meine Nachteile nicht verschweigen, das ist nur fair. Daher verrate ich dir auch meine negativen Seiten. Diese wären:

  • Regulierung per Gesetz,
  • Beschneidung der persönlichen Freiheit,
  • keine Senkung der CO2-Emissionen.

Auch diese Punkte bzw. eher Argumente muss ich erklären. Zum einen muss (und sollte) nicht jeder Aspekt unseres Lebens per Gesetz beschnitten werden. Regulierung in Maßen ist gut und oft sogar ein Muss, zu viel kann aber schaden. Zumal mit dieser Regulierung per Gesetz die persönliche Freiheit der Autofahrer beschnitten wird. Das gebe ich gern zu. In Deutschland haben Autofahrer nun einmal die Freiheit, mit 250 Sachen über die Autobahn zu fliegen. Wie sinnvoll das für den Kontostand des Einzelnen sowie für die Umwelt ist, sei einmal dahingestellt.

Ärger wiegt aber das letzte Argument, dass eben die Emissionen von CO2 und Feinstaub durch mich eben nicht sinken würden. So rechnet zum Beispiel der ADAC vor, dass die deutschen Autofahrer im letzten Jahr 458.000 Stunden im Stau standen. Dass es pro Tag rund 2.000 Staus gab. In diesen Staus blasen die Autos vollkommen sinnfrei Emissionen in die Luft. Ich kann nicht abstreiten, dass ich in diesen Fällen kaum bzw. gar nicht helfen würde. Dass es tatsächlich sinnvoller wäre, Staus zu verhindern oder wenigstens zu reduzieren.

Tempolimit: Warum es mich in Deutschland längst gibt

Wobei: So ganz unbekannt bin ich in Deutschland eigentlich gar nicht. Auf etlichen Autobahnabschnitten bin ich längst Vorschrift. In typischen Ballungszentren wie Stuttgart oder München sowie auf Stadtautobahnen diene ich dem Lärmschutz und natürlich obendrein der Reduzierung der Unfallgefahr. In versteckter Form bin ich also selbst in Deutschland längst aktiv. Zumal es in Deutschland die sogenannte Richtgeschwindigkeit von 130 km/h gibt. Diese ist zwar auf deutschen Autobahnen kein Zwang, bei einem Unfall droht zu schnellen Fahrern jedoch eine Mithaftung. Laut dem OLG Nürnberg gilt diese Mithaftung sogar für Unfallopfer.

Dass ich irgendwann generell auf deutschen Autobahnen gelte, dürfte wohl nur noch eine Frage der Zeit sein. Zumal ich in den anderen EU-Staaten durchweg die Regel bin. In Frankreich oder Italien sind auf der Autobahn maximal 130 km/h erlaubt, in Belgien oder Spanien sogar nur 120 km/h. Nur in Deutschland darf noch munter gerast werden. Das (Gegen)Argument der Zeitersparnis ist übrigens nicht wirklich haltbar. Zugegeben: Auf einer Strecke von 100 km sparst du mit 180 statt 130 km/h 13 Minuten. Aber nur, wenn die Autobahn leer ist. Ohne Baustellen, ohne Stau, ohne Tempolimits in Ballungszentren.


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