Montag, der 20. Mai 2019
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Tag mein Freund, ich bin ein Van. Früher, so in den 1990ern, war ich mal ein großer Trend. Heute bin ich daher fast in einer Nische verschwunden und selten auf hiesigen Straßen zu sehen. Ich glaube ja, dass das mit diesen neumodischen SUVs zu tun hat, um die seit einiger Zeit ein Riesen-Hype gemacht wird. Womöglich zu recht, wie ich leider gestehen muss. Meine Zeit scheint jedenfalls vergangen, erreicht habe ich trotzdem eine Menge.

Van: Wie ich zum Trend wurde

Meine ersten Modelle rollten Anfang der 1980er in den Handel. Zu der Zeit waren sie allerdings noch nicht so wirklich erfolgreich. Als Vorreiter gelten vor allem Mitsubishi Space Wagon, Nissan Prairie und Honda Civic Shuttle, die jeweils 1983 ins Autohaus rollten. Nur ein Jahr später, also 1984, zog Chrysler mit dem Plymouth Voyager als erster US-Hersteller nach. In Europa startete wiederum Renault mit dem Espace. Drei Jahre später war der Voyager – nun unter der Marke Chrysler bekannt – ebenfalls in Europa erhältlich.

Die großen deutschen Marken ließen sich dagegen deutlich mehr Zeit: Erst 1995 folgten VW Sharan, Seat Alhambra und Ford Galaxy. Das Trio entstammte einer gemeinsamen Entwicklung von Volkswagen und Ford und war somit bis auf einige wenige Details wie Grill und Logo nahezu identisch. Die Partnerschaft hielt jedoch nur für die erste Generation an. Die Neuauflagen des Sharan bzw. Alhambra ab 2010 sind schließlich eigene Entwicklungen. Ford setzte mit dem Galaxy ‘06 (Typ WA6) sogar schon ab 2006 auf eine eigene Konstruktion.

Van: Wie mir der SUV den Rang streitig macht

Ab Mitte der 1990er konntest du mich als Trend bezeichnen. Leider kam zur gleichen Zeit ein weiterer Trend auf, der SUV oder ausgeschrieben Sport Utility Vehicle. Unsere Fahrzeugkonzepte sind sich durchaus ähnlich, schließlich setzen sowohl der SUV wie ich vor allem auf einen Punkt: Platz. Nein, ich meine so richtig viel Platz. Mein Vorteil: Ich setze außerdem auf ein variables Sitzkonzept, was mich extrem vielseitig macht. Meine Sitze in der zweiten und (wenn vorhanden) dritten Sitzreihe sind in der Regel mit nur wenigen Handgriffen ausgebaut bzw. versenkt, womit du eine lange und ebene Ladefläche erhältst. Der SUV wiederum punktet mit seiner bulligen Optik, einer hohen Sitzposition und damit guten Rundumsicht sowie einem bequemen Ein- und Ausstieg. Entsprechend habe ich Nachsehen, da neben älteren Semestern auch junge Familien diese Vorzüge schätzen, zumal der SUV aufgrund seiner Bauweise auch noch als extrem sicher gilt – zumindest für seine Insassen.

Van: Wie meine Zukunft ausschaut

Du sagst es, meine Zukunft schaut nicht unbedingt rosig aus. Wegen der boomenden SUVs haben mich einige Hersteller sogar schon eingestellt oder – noch schlimmer – direkt durch ein solches Sport Utility Vehicle ersetzt. Ich sage nur Peugeot. Mit dem 3008 brachte die Löwenmarke 2009 einen kompakten Van auf den Markt, der auf Mercedes B-Klasse und Opel Meriva zielte. Mit der zweiten Generation mutierte der Peugeot 3008 anno 2016 plötzlich zu einem kompakten SUV. Nach nur einer Generation war ich also schon wieder Vergangenheit.

Auf der anderen Seite habe ich durchaus Hoffnung. Mercedes hält nach wie vor an der B-Klasse fest. Allerdings steht die zweite Generation auch bereits seit 2011 beim Händler. BMW brachte dagegen erst 2014 den 2er Active Tourer auf den Markt und brach mit dem Modell quasi alle seine Traditionen: Front- statt Heckantrieb, kompakter Van statt sportliche Limousine. Selbst als alternativer Hybrid bin ich bei BMW zu haben.

Van: Warum ich als Gebrauchter eine gute Wahl bin

Daneben gibt es noch ein paar kleinere Modelle von mir, die allerdings etwas schwierig einzuordnen sind. Ein Beispiel wäre der Kia Soul, dessen kantiges Design eigentlich in keine Kategorie passen will. Der Koreaner gilt daher als Minivan und bietet gemäß meiner Tradition vor allem Platz. Künftig gibt es den Kia Soul nur noch als Elektroauto, wie der Hersteller jüngst verkünden ließ.

Das Kraftfahrt-Bundesamt unterteilt mich übrigens nur in zwei Segmente: Großraum-Vans und Minivans. Kompakte Modelle wie Mercedes B-Klasse oder BMW 2er Active Tourer gelten demnach als Minivan. Immerhin: Laut Schwacke bin ich vor allem als großer Van sehr wertstabil. Meine Spezialisierung auf ein großes Platzangebot macht mich laut Schwacke nämlich für viele alternativlos, egal ob für Freizeitsportler oder Familien.

Entsprechend bringe ich dir als Gebrauchter noch gutes Geld. Wenn das mal kein Grund ist…