Fahrzeugtypen

Ich bin ein SUV – Veränderung Vergangenheit und Heute

05. Juni 2019
Lesezeit: 3 Minuten

Tag auch, ich bin ein SUV. Muss ich mich überhaupt vorstellen? Ich denke nicht, oder? Dann ist gut, denn von mir rollen mittlerweile so viele Modelle auf den Straßen, dass mir fast schon schwindelig wird. Dabei war einst gar nicht abzusehen, dass ich einen solchen Siegeszug feiern darf. Ich bin nämlich noch gar nicht so alt: Meine Geschichte beginnt erst in den 1990ern.

Doch von vorn: Toyota und Land Rover waren die ersten, die mit ihren Modellen RAV4 bzw. Freelander ein Sport Utility Vehicle – zu Deutsch etwa: sportliches Allzweckfahrzeug oder sportliches Nutzfahrzeug – auf den Markt brachten. Beide Fahrzeuge gelten daher als meine Wegbereiter. Fast sprunghaft stiegen besonders in den USA die Verkaufszahlen an. Ende der 1980er gab es in den Staaten „nur“ 960.000 SUV-Zulassungen, während es 1997 schon über 2,4 Millionen waren.

SUV: Wie in den 1990ern alles begann

In Deutschland dauerte meine Entwicklung etwas länger, doch auch hier gelte ich mittlerweile als Erfolg. Nur um mal einige Zahlen zu nennen: Von den rund 3,35 Millionen Neuzulassungen im Jahr 2017 fielen über 715.000 auf SUVs und Geländewagen. Das sind über 20 Prozent.

Warum ich in in Deutschland bzw. Europa länger brauchte? Gute Frage, vielleicht lag es an meinem Namen. Als Neuling musste ich mich zunächst etablieren, zumal sich hierzulande das Interesse an bulligen Geländewagen schon immer in Grenzen hielt. Zugegeben: Ich bin eigentlich gar kein Geländewagen. Vielmehr setze ich nur auf die Optik eines Offroaders. Typische Merkmale wie Leiterrahmen, Getriebereduktion, Differentialsperren etc. sind mir im Regelfall fremd. Traktionskontrolle und Berganfahrhilfe, eventuell noch Allrad ist hier das höchste der Gefühle.

Dafür bin ich praktisch. Platz und Laderaum biete ich dir zu genüge sowie den typischen Komfort einer edlen Limousine. Mehr noch: Meine bullige und hohe Bauweise garantiert dir und deiner Familie ein Höchstmaß an Sicherheit. Dazu genießt du eine hohe Sitzposition, womit du den optimalen Überblick über den Verkehr behältst.

SUV: Was in Amerika etwas anders ist

In Amerika bin ich übrigens etwas anders. Dort bin ich – typisch USA – größer und noch wuchtiger. In Übersee gelte ich als Sport Utility Vehicles tatsächlich als Geländewagen. Zugegeben nennen mich die Amerikaner in dem Fall ein Full-Size SUV. Ein recht großer BMW X5 ist dagegen für den Amerikaner nur ein Mid Size Crossover SUV. Das englische Wort „sport(s)“ steht bei den Amerikanern nicht bloß für Sport, sondern obendrein für Jagen oder Fischen. Ein Sport Utility Vehicle ist für die Amerikaner also ein Fahrzeug für unwegsames Gelände, wo man zum Jagen und Angeln hinfährt.

Allerdings sorgt auch so mancher Hersteller für Verwirrung. BMW bezeichnet zum Beispiel seinen X6 als SAC. Das Kürzel steht für Sport Activity Coupé. Er ist letzten Endes aber auch nur ein SUV-Coupé. Eine andere Bezeichnung ist SAV (Sport Activity Vehicle), womit einige Marken ihre Modelle vom klassischen Offroader abgrenzen wollen.

SUV: Wie ich zum Crossover wurde

Irgendwann lag ich übrigens so sehr im Trend, dass die Hersteller immer mehr Modelle in allen möglichen Segmenten herausbrachten. Heute gibt es mich als SUV der Oberklasse, der oberen Mittelklasse, der Mittelklasse, der (sehr beliebten) Kompaktklasse sowie im Mini- bzw. Kleinwagensegment. Mehr noch: Die Hersteller begannen sogenannte Crossover von bestehenden Modellen zu bauen. Insbesondere Kombis werden hierbei auf „offroad“ getuned. Zwei kuriose Beispiele sind der Opel Insignia Country Tourer oder der Audi A4 allroad quattro. Mehr Bodenfreiheit, eine typische Verplankung mit schwarzem Kunststoff und teilweise Allrad erheben die regulären Kombis zu sogenannten Softroadern. Also zu Fahrzeugen im Offroad-Look, die dennoch nur für ein leichtes Gelände taugen.

SUV: Wie Toyota mich zum Sparer trimmte

Viel interessanter ist, wie Toyota mich zum Sparer machte. Denn aufgrund meiner großen Stirnfläche gönne ich mir deutlich mehr Sprit als eine Limousine oder ein Kombi, was leider kein gutes Kaufargument ist. Während die deutschen Hersteller bisher auf den Diesel setzen, ging Toyota einen anderen Weg – und wählte den Hybrid. Dank Doppelherz und zusätzlichem E-Motor verbrauchte beispielsweise der Toyota RAV4 2.5 Hybrid zuletzt nur rund fünf Liter auf 100 km und lag damit auf dem Niveau des 2,0-Liter-Diesels. Die neue, fünfte RAV4-Generation (ab 2019) ist sogar nur noch als Benziner und Hybrid erhältlich. Ein Diesel ist dagegen nicht mehr geplant – wobei hier wohl eher der Dieselskandal von VW die entscheidende Rolle spielte.

Hyundai und Kia gehen mit ihren brandneuen Modellen Kona bzw. Niro noch einen Schritt weiter und bieten diese sogar rein elektrisch an. Es dürfte spannend sein, wie meine Zukunft ausschaut.