Fahrzeugtypen

Ich bin ein Kleinwagen – Meine Veränderungen früher und heute

28. August 2018
Lesezeit: 3 Minuten

Hallo, ich bin ein Kleinwagen. In den Fahrzeugklassen der Europäischen Kommission gelte ich als das B-Segment. Wann meine Geschichte beginnt, kann ich aber gar nicht so genau sagen. Ganz frühe Modelle wie Citroen 5CV, Hanomag 2/10 PS „Kommissbrot“ oder Fiat 500 Topolino reichen zurück bis in die 1920er Jahre. Doch selbst in den 1950ern und 1960ern war mein Segment noch recht vage.

Warum? Weil damals sogar Rollermobile wie der BMW Isetta als Kleinwagen galten, die nach heutigem Verständnis aber eher ein Kleinstwagen sind. Dennoch würde ich meine Geburt wohl in die 1950er datieren. Meine ersten Vertreter waren damals der Gutbrod Superior 600 oder der Citroen 2CV bzw. die legendäre „Ente“.

Wie MINI die Karosserie revolutionierte

Später folgten weitere Modelle wie der NSU Prinz, das Goggomobil von BMW – heute ebenfalls als Kleinstwagen eingestuft – oder in der DDR der Trabant. Alle diese Modelle vereinten drei Punkte: ein quer eingebauter Frontmotor, Frontantrieb sowie eine Fahrgastzelle mit Platz für vier Erwachsene plus Gepäck. Es gab natürlich Ausnahmen wie der VW Käfer. Dieser war von Preis, Leistung und Platz ein Kleinwagen, vom Hubraum jedoch eher untere Mittelklasse. Davon ab war der Motor beim Käfer hinten verbaut.

Ein viertes Kriterium für meine Klasse stellte Ende der 1950er ein Brite auf: der MINI. Der kleine Engländer überraschte mit einer ganz neuen Karosserieform, die bis heute Mode ist: das Steilheck bzw. Vollheck. Tatsächlich waren meine bisherigen Modelle allesamt mit Stufenheck erhältlich. Das galt selbst für den Trabant in der DDR, der zwar als Kombi erwerbbar, meist jedoch als Limousine zu sehen war. Ein Vorteil des Steilhecks: Es machte das Auto kürzer, behielt jedoch das eigentliche Platzangebot und das Volumen des Kofferraums bei. Zugegeben war der MINI recht teuer. Dennoch fanden sich recht schnell mit Honda N600, Suzuki Suzulight TL oder Autobianchi A112 die ersten Nachahmer.

Wie aus zwei vier Takte wurden

Nur wenig später Anfang der 1960er kam die nächste neumodische Idee auf: der Viertaktmotor. Der neue Trend von DKW sollte fortan die fünfte meiner Regeln sein. Einzige Ausnahme: der Trabant in der DDR, der sich bis zu seinem Ende Anfang der 1990er weiterhin mit einem Zweitakter begnügen musste. Schuld war allerdings die Engstirnigkeit der politischen Führung, die die Modernisierung ihrer Autoindustrie nicht auf der Agenda hatte.

Neben den vier Takten stieg auch die Leistung meiner Motoren stetig. Sie betrug in den 1950ern gerade mal neun bis 34 PS, während es heute selten unter 55 PS sind. Tatsächlich mobilisiert so mancher Kleinwagen mittlerweile sogar 200 Pferde wie Polo GTI oder Renault Clio R.S. Trophy. Peugeot 208 GTi 30th und DS3 THP 208 kommen sogar auf 208 PS. Ein gutes Beispiel für diese Entwicklung ist die legendäre Citroen „Ente“ 2CV. Der kultige Franzose brachte es zu seinem Start 1949 auf nur neun Pferdchen, während es ab 1980 schon 29 PS waren. Als die Ente 1990 eingestellt wurde, war der 2CV schon hoffnungslos veraltet.

Wie meine Argumente sich änderten

Für mich gab es damals einige Kaufgründe. Anfangs war es vor allem mein kleiner Preis, der die Leute zum Kauf veranlasste. Das war auch kein Wunder: Nach dem Zweiten Weltkrieg waren Pkw für den Normalbürger extrem teuer und somit absoluter Luxus. Dennoch ist der Preis heute weniger ein Argument für einen Kauf. Nichtsdestotrotz gibt es durchaus Modelle in meinem Segment, die unter 10.000 Euro kosten. Mit Ausstattung und modernen Fahrassistenten steigt der Preis aber schnell auf 20.000 oder sogar 25.000 Euro. Selbst teure Premiummodelle wie MINI oder Audi A1 konnten sich daher recht gut am Markt platzieren.

Wenig Verbrauch oder günstige Kfz-Steuern ziehen heute ebenfalls nicht mehr. Zum einen, weil ich mittlerweile dank moderner Sicherheits- und Komfortfeatures recht schwer bin. Als VW Polo wiege ich beispielsweise mindestens 1.067 kg. Der kompakte VW Golf startet dagegen bei 1.205 kg, womit der Polo rund zehn Prozent leichter ist. Zum anderen sind die Motoren dank Downsizing die gleichen. Sowohl Polo und Golf sind mit 1,2 und 1,4 Liter großen TSI erhältlich.

Was jedoch nach wie vor ein Argument für mich ist: meine geringen Abmessungen. Entsprechend brauche ich wenig Fläche, was gerade in der Großstadt ein Pluspunkt ist. Ich sage nur: Parkplatzsuche, enge Parkhäuser und Tiefgaragen. Obendrein bin ich wendig wie ein Wiesel.

Ich bin zwar klein, kann dir aber durchaus ein agiles und sportliches Fahrvergnügen bieten.

Such mich einfach mal hier, du wirst schon sehen.