Samstag, der 19. Januar 2019
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Tag auch, ich bin ein Coupé. Meine Vorstellung erübrigt sich wohl, ich bin eigentlich gut bekannt. Zugegeben habe ich mich im Laufe der Jahre und vor allem in letzter Zeit stark verändert. Dennoch sind einige meiner neumodischen Versionen lediglich ein Produkt der Werbung, aber keine echten Vertreter meiner Fahrzeugklasse. Aber fangen wir lieber von vorn an…

Vorstellung: Was heißt eigentlich Coupé?

Mein Name kommt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie „geschnitten“ oder „abgeschnitten“. Das trifft mein Konzept schon ganz gut. Denn im Grunde bin ich so etwas wie eine „abgeschnittene Limousine“. Genauer eine abgeschnittene Limousine mit

  • Stufenheck,
  • stark abfallendem Dach,
  • nur zwei Türen sowie
  • teilweise auch nur zwei Dachsäulen.
  • Im Fazit bin ich also tatsächlich eine verkürzte Limousine, die zudem auf eine gewisse Sportlichkeit getrimmt ist. Mein abfallendes Dach erinnert an einen Sportwagen, was rein optisch mehr Dynamik und Agilität suggeriert. Ursprünglich war ich sogar mal ein reiner Zweisitzer, heute ist mein Segment aber auf Vier- bzw. Fünfsitzer ausgedehnt. In dem Fall verspricht mein Fond aber in der Regel weniger Komfort als für Fahrer und Beifahrer, weswegen ich in diesem Fall meist als sogenannter 2+2-Sitzer gelte. Heißt: Mein beengter Fond ist durchaus für Kinder und Teenager geeignet, nicht aber für Erwachsene. Schon gar nicht, wenn du über 1,90 Meter groß bist. Mein sportlich abfallendes Dach gewährt nämlich keine allzu große Kopffreiheit.

    Coupé: Wie in grauer Vorzeit alles begann

    Mein eigentlicher Ahn ist übrigens eine Kutsche – die ebenfalls Coupé hieß. Das Modell mit vier Rädern besaß eine Kabine mit Platz für zwei Insassen, während der Kutscher vorn und vor allem draußen saß, also im Freien. Bei Wind und Wetter war das sicher kein Vergnügen. In der Seitenansicht schaute jene Kutsche dagegen aus wie ein Viersitzer, bei welcher der vordere Teil abgeschnitten war.

    Das Konzept des geschlossenen Fonds und offenen Vorderteils – also dort, wo der Chauffeur saß – setzte sich sogar in meinen ersten frühen Modellen fort. Ein klassisches Beispiel wäre der Bugatti Royale von 1926 bis 1933, der heute als einer der größten automobilen Klassiker schlechthin gilt. Der Chauffeur saß wie bei der früheren Kutsche im Freien und war Wind und Wetter schutzlos ausgesetzt. Die Passagiere genossen wiederum im geschlossenen Fond eine absolute Privatsphäre und natürlich Schutz vor Sonne oder Regen.

    Coupé: Wie die 1950er mein Segment veränderten

    Mit dem heutigen Coupé hatte ich damals noch nichts gemein. Wobei die Branche erst in den 1950ern den Begriff Coupé für besonders sportliche oder exklusive Limousinen nutzte, die obendrein auf nur zwei Türen beschnitten waren. Allerdings wurden zu jener Zeit auch Sportwagen als Coupé vermarktet, weswegen ich damals meist nur ein Zweisitzer war. In den 1960ern und 1970ern vollzog ich dann endgültig meinen Wandel. Zunehmend stand mein Name für Limousinen mit zwei Türen und (neuerdings) mit einem flach abfallenden Dach, die durch diese Bauform besonders sportlich ausschauten.

    Viele Hersteller machten es sich damals – ebenso wie heute – recht einfach und verpassten ihren Limousinen nur ein neues Heck, während die Frontpartie identisch blieb. Bei den Italienern – teilweise auch bei den Franzosen – waren zu jener Zeit dagegen noch völlig eigenständige Coupé-Modelle üblich. Selbst Innenraum und Technik hatten oftmals mit den „Geschwistern“ nur wenig gemein. Apropos Innenraum: Ein Fond und somit eine zweite Sitzreihe waren zwar bereits üblich. Sie waren aber mitunter so begrenzt, dass kaum Komfort geboten war. Der Grund hierfür war recht simpel: Im Vergleich zur Limousine war der Radstand gekürzt. Das bedeutet, dass zwischen den Vorder- und Hinterrädern schlicht weniger Platz vorhanden war.

    Coupé: Wie ich schließlich vier Türen bekam

    Doch die Hersteller waren clever und belebten kurzerhand das Segment der Viertürer-Coupés neu. Den Anfang machte Mercedes-Benz 2004 mit dem CLS, dem später mit dem CLA sogar ein kompakter Viertürer-Coupé folgte. Andere Hersteller verfolgten den neuen Trend ebenfalls zügig, wodurch das Segment der viertürigen Coupés heute auf viele Modelle und Marken angewachsen ist. Ich sage nur BMW 6er Gran Coupé, Audi A5 Sportback, VW Passat CC bzw. VW Arteon oder Kia Stinger. Alle Modelle sind der Ober- bzw. oberen Mittelklasse gewidmet und wenden sich preislich an Besserverdiener. Echte Coupés sind die genannten Modelle aufgrund der Kombi aus Limousine und Coupé aber nicht.

    Hyundai Tucson Lenkrad

    Hier akzeptiere ich nur klassische Modelle wie den BMW 2er Coupé bzw. den BMW M2, Audi TT, Peugeot RCZ, Mercedes C-Klasse Coupé oder den legendären Opel Mantra.