Freitag, der 23. August 2019
Fahrberichte

Fahrbericht VW Caddy – der Kastenwagen

31. Juli 2019
Lesezeit: 3 Minuten

Gestatten, ich bin der VW Caddy. Mich zu beschreiben, ist alles andere als einfach. Seit 1979 gibt es mich als Pickup, als Kastenwagen und schließlich sogar als Pkw. Auch meine Produktion verteilte sich auf viele Orte – zum Beispiel in den USA, Sarajevo, Spanien, Tschechien oder Polen. Du siehst: mein Leben ist ein einziges Durcheinander.

VW Caddy: Wie ich als Pickup geboren wurde

Lass’ mich von vorn anfangen. Ende der 70er plante Volkswagen einen Pickup, der speziell für den US-Markt gedacht war. So feierte ich 1978 als typischer Pritschenwagen mit Platz für zwei Insassen Premiere. Zum Händler rollte ich ein Jahr später. So ganz neu war ich aber gar nicht, sondern vielmehr ein Ableger des VW Rabbit. Dieser basierte wiederum auf dem ersten VW Golf. Gegenüber den typischen US-Trucks sah ich daher recht konventionell und gediegen aus.

Trotzdem lief ich so als Typ 14D bis 1993 vom Band und zwar in Westmoreland County im US-Bundesstaat Pennsylvania. In Europa tauchte ich dagegen ab 1983 auf. Ab jener Zeit wurde ich auch in Sarajevo gebaut. Die Produktion bei Tvornica Automobila Sarajevo (TAS) endete jedoch 1992 aufgrund des Bosnienkrieges. Gegenüber dem US-Modell zeigte ich als „Euro-Version“ jedenfalls einige Modifizierungen. Zum Beispiel waren meine Scheinwerfer in den Staaten eckig, während sie hierzulande rund waren. Damit folgte ich dem Look des VW Golf I, auf dessen Plattform PQ31/A1 ich stand. Immerhin verbaute mir Volkswagen hinten eine Starrachse und Längs-Blattfedern. So konnten meine ebene Ladefläche sowie vor allem mehr Achslast realisiert werden.

VW Caddy: Wie ich zum Kastenwagen mutierte

Nach meinem Produktionsstopp in den USA 1993 führte ich in Südafrika quasi ein zweites Leben. Mit aufgefrischter Frontpartie, neuen Motoren und Rechtslenkung lief ich hier bis 2007 vom Band. Zu der Zeit arbeitete VW Nutzfahrzeuge schon längst an meiner neuen Generation. Konkret am Typ 9KV, der nun als Kastenwagen ausgelegt war. Parallel gab es mich als Hochdachkombi und somit als Pkw mit fünf statt nur zwei Sitzen. Als VW Caddy 9KV basierte ich jedenfalls auf dem nahezu baugleichen Seat Inca und somit auf der Plattform PQ23/A03. Diese nutzen auch der VW Polo 6N sowie Seat Ibiza 6K und Seat Cordoba 6K. Gebaut wurde ich nun ebenfalls von Seat, nämlich in Martorell bei Barcelona.

Nebenbei gab es ab 1996 einen neuen Pickup von mir. Allgemein ist dieser als VW Caddy II Pickup bekannt. Im Fazit war dieser Pickup der eigentliche Erbe des ersten Caddy Pickups. Dieses intern 9U genannte Modell basierte nicht wie mein Kastenwagen auf dem Seat Inca, sondern auf dem Skoda Felicia Pick-up. Die Produktion erfolgte daher bei Skoda in Tschechien. Technisch hatten Caddy Pickup und Caddy Kastenwagen jedenfalls nichts gemeinsam. Im Jahr 2000 war mein Doppelleben beendet, überleben sollte ich nur als Kastenwagen.

VW Caddy: Es kann nur einen geben

Einen Nachfolger bekam nur der VW Caddy 9KV und zwar mit dem Modell 2K. Als dieser werde ich auch gern VW Caddy 3 genannt. Im Fazit gab es mich nur noch als Hochdachkombi. Optisch schaute ich nach wie vor konventionell aus, das hohe Dach des Caddy 9KV war jedoch Vergangenheit. Stattdessen folgte meine Dachlinie nun einer Geraden, was optisch doch etwas schicker aussah. Meine Plattform PQ35/A5 teilte ich mir mit dem Golf V sowie mit dem Touran I. Statt einer Einzelradaufhängung wie im Golf verbaute Volkswagen mir eine Starrachse mit Blattfedern. Parallel bot mich VW als private Pkw- sowie als Langversion (+47 cm) an. Im ersten Fall hieß ich VW Caddy Life, im zweiten dagegen VW Caddy Maxi. Einen Erben für meinen früheren Pickup brachte Volkswagen aber doch noch – und zwar 2010 mit dem neuen VW Amarok.

VW Caddy: In welchen Bereichen bin ich anfällig?

Mich gibt es seit 2016 auch als VW Caddy Alltrack. Mein Aussehen ist seither weniger bieder, dafür bringe ich sogar Allrad und DSG mit. Außerdem verfüge ich über zwei Diesel mit 122 oder 150 PS sowie moderne Helfer wie Front Assist, Tempomat, Müdigkeitserkennung oder Parklenkassistent. Als Privatmann schaust du wohl eher auf meinen Hochdachkombi, mit dem ich dir vor allem eins anbieten kann: richtig viel Platz.

Der TÜV wiederum hat leider einiges zu bemängeln. Meine Hinterachse ist demnach ebenso anfällig wie meine Fußbremse oder Auspuffanlage. Als „Lastesel“ setze ich zudem nicht unbedingt auf Komfort, zumal auch meine Ausstattung oftmals Wünsche offen lässt. Wegen meiner hinteren Starrachse wurde mein Fahrverhalten schließlich als „schwammig“ bezeichnet.

Mein Rat für dich: Fahre mich einfach. Dann siehst du, ob wir zueinander passen oder nicht.