Fahrberichte

Suzuki Vitara – handliche Reisschüssel mit SUV-Ambitionen

11. Mai 2020
Lesezeit: 3 Minuten

Ich gebe zu, ich bin in die Jahre gekommen: Über 30 Jahre ist es inzwischen her, dass meine erste Generation auf den Markt kam und auf einmal ein asiatischer Mini-Jeep in Europa auftauchte: der Suzuki Vitara. Inzwischen bin ich in der vierten Generation unterwegs. Mein Modell hat zuletzt ein Facelift bekommen: Jetzt bin ich als Mini-SUV mit einem 3-Zylinder Benzinmotor ausgestattet. Einen Diesel gibt es in meiner Modellpalette nicht mehr. Die drei Zylinder des kleineren Motors bringen 111 PS, der Spaß mit mir kostet mindestens 18.650 €. Eine stärkere Motorisierung bekommst du mit mir mit einem 1,4 Turbo Benzinmotor, der dich mit 140 PS temperamentvoller bewegt als mein kleiner Bruder.

Als Fünftürer gibt es mich schon lange. Ganze vier Jahre beobachte ich meine Geschwister so schon auf den Straßen, aber die kürzliche Überarbeitung meines Modells sieht man mir jetzt an. Der neue Motor sorgt dafür, dass mir ein neuer Vitara an der Ampel auch schon mal locker wegzieht, allerdings ist die Höchstgeschwindigkeit mit 175 Stundenkilometern im Vergleich zu anderen Boliden auf Deutschlands Autobahnen doch einigermaßen bescheiden. Sollte da die anhaltende Diskussion um ein Tempolimit für Vernunft bei der Konzeption der Motorisierung gesorgt haben?

 

 

Ich bin ein mäßig durstiges Kerlchen …

Als Vitara 1.0 Boosterjet schlucke ich laut den Testergebnissen des ADAC 6,9 Liter Superbenzin pro 100 km. Kritiker sagen, dass das Getriebe meines neuen Vitara bedauerlicherweise nur fünf Vorwärtsgänge aufweist, obwohl ein sechster Gang den Spritverbrauch gedrosselt hätte, weil du dann mit einer niedrigeren Drehzahl im höchsten Gang unterwegs wärst.

Zum Thema Umweltfreundlichkeit solltest du aus Verantwortungsbewusstsein immer nach den Testergebnissen eines Wagens schauen, und zwar bei unabhängigen Testern. Der ADAC z. B. hat mir in seinem Eco-Test lediglich drei von fünf möglichen Sternen verliehen. Die Tester kritisierten die CO-Abgaswerte und zu viele Rußpartikel, die ausgestoßen wurden. Dass noch viele Rußteilchen durch den Auspuff geblasen werden, obwohl ich einen Otto-Partikelfilter besitze, ist bedauerlich.

Wenn du es gemütlich magst, sitzt du in mir richtig

Weniger Schaltvorgänge bedeuten für die Passagiere ein bequemeres Fahren. Ich laufe im höchsten Gang ruhig und vermittle daher ein gemütliches Fahrgefühl. Meine Abmessungen für die Passagiere im Inneren sorgen dafür, dass alle bequem sitzen können; das gilt auch für die Passagiere auf der hinteren Sitzbank. Als Mini-SUV bin ich zwar etwas kürzer als ein VW Golf, biete aber trotzdem mehr Platz im Inneren als dieser. Bei umgelegter Rückbank ist der Kofferraum stolze 1120 Liter groß (Der ADAC glaubt sogar, 1280 Liter gemessen zu haben.); ist die Rückbank belegt, stehen dir und den anderen Passagieren immerhin 375 Liter Stauraum zur Verfügung, um die ihr euch streiten könnt.

Die Tester behaupten, man sehr säße in einem Suzuki Vitara wie mir bequem. Aber ob du wirklich bequem dort sitzen kannst, das hängt davon ab, wie groß oder klein du bist, wie leicht oder schwer. Die Frage, ob ein Automodell bequem ist, musst du selbst klären. Das kann kein Test stellvertretend für dich erledigen. In Sachen Konnektivität habe ich dir außerdem einiges zu bieten, das Fahren sicherer und bequemer macht.

Auf jedem Terrain ein sicherer Auftritt

Ich bin ein Mini-SUV. Nun ist es ja so, dass die Mehrheit der SUV-Besitzer seine Autos nie im Gelände bewegt. Aber das kann ja durchaus anders sein bei dir. Hütte im Wald? Steg an einem abgelegenen See? Ferienhäuschen auf der Alm? Dann bin ich ein klasse Auto für dich! Wenn es dich ins Gelände zieht, ist mein Allradantrieb „Allgrip“ ein buchstäblich attraktives Angebot. Du hast beim Getriebe die Wahl zwischen vier Fahrstufen, nämlich Auto, Sport, Schnee (heißt natürlich im Originalton „Snow“, weil englische schicker klingt) und Lock. Lock ist die Einstellung, mit der du dich im Gelände bewegen kannst. Im „Rough“ wird zunächst nur Kraft auf die Vorderräder gegeben. Das macht das Lenken auf einem schwierigen Untergrund einfacher. Wenn allerdings aufgrund der Bodenbeschaffenheit allmählich die Bodenhaftung schwindet, werden automatisch bis zu 50 % der Antriebskraft auf meine Hinterachsen geleitet. Du kommst damit in vielen Situationen gut weiter, in denen du ohne Allradantrieb aufgeschmissen wärst. Falls du also in Hanglage ganz oben am Ende einer Zufahrtsstraße in einem deutschen Mittelgebirge wohnst, wo nie geräumt oder gestreut wird, könnte ich dir in manch kritischer Wetterlage weiterhelfen.

Im Sportmodus sorgt mein Getriebe dafür, dass bei der Beschleunigung ebenfalls mehr Kraft auf meine Hinterachsen kommt. Als Mini-SUV ziehe ich also an der Ampel, wenn du dir das Getriebe entsprechend eingestellt hast, recht munter an. Andererseits muss man ganz klar feststellen: Ein Vitara ist kein Q7 …

Insgesamt bezeichneten die Tester mein Fahrwerk als ausgewogen und sicher. Den Ausweichtest habe ich als kleiner Japaner problemlos bestanden.